Binden Sie Ihr Praxisteam ein: MFAs in der Betreuung kardiovaskulärer Hochrisikopatient:innen

Veröffentlicht am: 16.06.2026 | Lesezeit ca. 5 min

Kardiovaskuläre Erkrankungen bleiben die häufigste Todesursache, und viele Hochrisikopatient:innen erreichen trotz bestehender Therapie ihre Zielwerte nicht. Gut informierte Medizinische Fachangestellte (MFAs) spielen dabei eine entscheidende, oft übersehene Rolle: von der Risikoerkennung über das Lipidmanagement bis zur Schlaganfallprophylaxe.

Das Bild zeigt mehrere Hände, die gemeinsam die Form eines Herzens bilden. Einige Hände tragen blaue, grüne oder weiße medizinische Handschuhe. Andere Hände sind unbedeckt und in unterschiedlichen Hauttönen zu sehen.


Herz-Kreislauf-Erkrankungen: ein großer Teil ist vermeidbar

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland weiterhin die häufigste Todesursache und verursachen rund 40 % aller Sterbefälle; das sind jährlich mehr als 350.000 Menschen.1,2 Ein großer Teil dieser Erst- und Folgeereignisse ist potenziell vermeidbar, denn neun beeinflussbare Risikofaktoren erklären über 90 % des Risikos für einen ersten Herzinfarkt.3 Die frühzeitige Erfassung dieser Risikofaktoren, ihre verständliche Vermittlung und eine dauerhafte Therapietreue entscheiden über den Behandlungserfolg. MFAs spielen dabei eine zentrale, in ihrer Wirkung oft unterschätzte Rolle.

Die Behandlungslücke ist eine Teamaufgabe

Trotz wirksamer Therapieoptionen erreichen viele Hochrisikopatient:innen ihre LDL-C-Zielwerte nicht. In einer DMP-KHK-Auswertung weisen nur rund drei von zehn Patient:innen einen LDL-C-Wert unter 70 mg/dl auf.4 Häufig liegen die Ursachen in der Therapietreue, im Verständnis der Erkrankung und in der Kontinuität der Betreuung. Genau an diesen Schnittstellen stehen MFAs. Sie haben oft den engsten und regelmäßigsten Kontakt zu den Patient:innen, vom Empfang über das Labor bis zum Abschlussgespräch. Mit der richtigen Qualifikation erkennen sie Hinweise auf kardiovaskuläre Risiken früh, unterstützen die ärztliche Einordnung der Werte, vermitteln Wissen alltagsnah und schaffen Verbindlichkeit.

Bilden Sie Ihr Praxisteam fort: Wissen, das den Alltag verändert

Genau hier setzt eine strukturierte Fortbildung von MFAs an. Wer die Zusammenhänge versteht, kann im Praxisalltag sicherer und kompetenter handeln. Wer die Bedeutung des LDL-C und die Entstehung der Atherosklerose kennt, kann Laborwerte für Patient:innen einordnen und sie gezielt zur Therapietreue motivieren. Inhaltlich sollte eine gute Fortbildung die beiden wichtigsten kardiovaskulären Themenfelder abdecken: Fettstoffwechselstörungen mit ihren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten sowie Vorhofflimmern. Letzteres ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung, tritt bei kardiovaskulären Risikopatient:innen besonders häufig auf und zählt zu den wesentlichen Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Solche Angebote richten sich gezielt an MFAs aus internistisch-allgemeinmedizinischen und internistisch-kardiologischen Praxen, in denen kardiovaskuläre Risikopatient:innen den Alltag prägen. Für Sie als ärztliche Praxisleitung lohnt es sich daher, Ihr Praxispersonal gezielt fortzubilden und aktiv in die Betreuung dieser Patient:innen einzubinden.

Das kardiovaskuläre Risiko erkennen und einordnen

Der erste Schritt ist die Erfassung des individuellen kardiovaskulären Risikos. Während Alter, Geschlecht und Familienanamnese nicht veränderbar sind, lassen sich viele andere Risikofaktoren aktiv beeinflussen – darunter Rauchen, Bluthochdruck, ungünstige Blutfettwerte, Diabetes, Bauchfett, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, psychosozialer Stress und Alkohol.3 Eine quantitative Risikoberechnung im Praxisalltag, etwa mit SCORE2, sowie eine Risikoeinstufung mit Hilfe von Risikofaktoren machen das kardiovaskuläre Risiko greifbar.5 Als Patient:innen mit hohem oder sehr hohem kardiovaskulärem Risiko gelten unter anderem Menschen mit koronarer Herzkrankheit, nach Herzinfarkt oder Schlaganfall, mit familiärer Hypercholesterinämie, Diabetes mit Endorganschäden oder fortgeschrittener Niereninsuffizienz.6 Zu hohes LDL-C gilt dabei als Hauptursache der Gefäßverkalkung und damit als Treiber für Herzinfarkt, Schlaganfall und periphere arterielle Verschlusskrankheit.

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Literatur:

  1. Statistisches Bundesamt (Destatis). Todesursachen in Deutschland. Online unter: https://www.destatis.de (letzter Aufruf: Juni 2026).
  2. Robert Koch-Institut. Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Online unter: https://www.rki.de (letzter Aufruf: Juni 2026).
  3. Yusuf S et al. Lancet 2004;364(9438):937–952.
  4. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI). Ergebnisse der Disease-Management-Programme in Nordrhein-Westfalen 2021, Tabellenband. Online unter: https://www.zi.de (letzter Aufruf: Juni 2026).
  5. Visseren FLJ et al. Eur Heart J 2021;42(34):3227–3337.
  6. Mach F et al. Eur Heart J 2020;41(1):111–188.

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