Dialog auf Augenhöhe: Wie Sie mit Kommunikation Vertrauen schaffen

Veröffentlicht am: 25.03.2026 | Lesezeit ca. 4 min

Eine gute Verständigung zwischen Patient:innen und Behandelnden ist maßgeblich für den Therapieerfolg. Wie dies auf Augenhöhe gelingen kann, erfahren Sie hier.

Ärztin, während sie der Patientin in der Konsultation die medizinische Behandlung mit einem digitalen Tablet erklärt.

Auf Augenhöhe informieren¹

Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Behandelnden und Patient:innen ist entscheidend für den Erfolg einer Therapie. Im Zentrum steht dabei das Patient:innengespräch, dessen Bedeutung im hektischen Alltag oft übersehen wird. Um medizinische Informationen dem Wissensstand der Patient:innen angemessen zu vermitteln, müssen Behandelnde jedoch Verständnis für ihr Gegenüber aufbringen. Wenn dieses Verständnis fehlt, können sich Patient:innen nicht ausreichend informiert fühlen. Daher ist es besonders wichtig,

  • das Gespräch sinnvoll in Abschnitte zu gliedern (ähnlich einem Buch mit Kapitelüberschriften),
  • Sachverhalte so zu schildern, dass sie Lai:innen gut verstehen können, und an das vorhandene Wissen der Patient:innen anzuknüpfen,
  • medizinisches Fachvokabular zu vermeiden oder es zu erklären und
  • schriftliche Patient:inneninformationen oder Entscheidungshilfen, wie Schaubilder oder Videos, zu verwenden, um schwierige Sachverhalte zu erklären.

Geeignetes Material zur Patient:inneninformation können Sie auch unter folgendem Link anfordern:

Patient:innen ausreden lassen

Das aktive Zuhören ist eine wichtige Kommunikationstechnik beim Gespräch zwischen Ärzt:innen und Patient:innen und es beeinflusst das Behandlungsergebnis.2 Denn wenn sich die Patient:innen wertgeschätzt fühlen, steigt auch das Vertrauen in die Behandelnden. Dies hat Einfluss auf die Therapietreue und die Mitarbeit der Betroffenen.

Um ihr Anliegen vollständig vorzutragen, benötigten Patient:innen laut einer Schweizer Studie mit 335 Teilnehmenden im Schnitt 92 Sekunden, wobei 78 % der Patient:innen ihre Beschwerden innerhalb von 2 Minuten vortrugen.3 In dieser Zeit sollten Sie die Patient:innen bei ihren Ausführungen nicht unterbrechen.

Eigene Schilderung als Verständnistest

Um Handeln zu können, muss man zunächst verstehen, worum es geht. Das gilt in beide Richtungen: Die Behandelnden müssen das Anliegen der Patient:innen verstehen und die Patient:innen die Ausführungen der Behandelnden. Das Paraphrasieren und/oder das Verbalisieren sind hier wichtige Techniken des aktiven Zuhörens. Fassen Sie das Gesagte der Patient:innen in Ihren Worten zusammen und verbalisieren Sie anschließend das Gefühl der Patient:innen, welches Sie hinter dem Gesagten vermuten.2

Auf der anderen Seite können Sie durch gezieltes Nachfragen herausfinden, ob die Patient:innen Ihre Aussagen verstanden haben.2 Dabei geht es nicht nur um die Frage: „Haben Sie alles verstanden oder noch weitere Fragen?“ Mit Entscheidungs-, Ergänzungs- oder auch Alternativfragen können Sie genauer herausfinden, welche Aspekte den Patient:innen noch unklar sind. Oder lassen Sie sie einfach in eigenen Worten schildern, was Sie soeben besprochen haben.

Patient:innen in Entscheidungen miteinbeziehen¹

Die Mehrheit der Patient:innen wünscht sich eine gemeinsame Entscheidungsfindung. Dieser patient:innenzentrierte Ansatz geht mit einer höheren Qualität der Behandlungsergebnisse und mit einer höheren Zufriedenheit der Betroffenen einher. Daher sollten Sie, wenn möglich, Ihren Patient:innen klar machen, dass Sie diese gern in die Therapieentscheidungen miteinbeziehen:

  1. Kommunizieren Sie, dass eine Entscheidung ansteht.
  2. Definieren Sie das Gesundheitsproblem.
  3. Betonen Sie die Gleichberechtigung der Beteiligten.
  4. Formulieren Sie ein Beziehungs- und Unterstützungsangebot.
  5. Erarbeiten Sie die (übergeordneten) Behandlungsziele der Patient:innen.

Beachten Sie, dass eine gemeinsame Entscheidungsfindung nicht in jeder medizinischen Situation angemessen umsetzbar ist. Verschiedene Faktoren sollten daher berücksichtigt werden:

  • Einwilligungsfähigkeit der Patient:innen
  • Dringlichkeit der Entscheidung
  • Bedeutung der medizinischen Entscheidung für den Lebensalltag der Patient:innen

Vorbereitet in schwierige Gespräche¹

Zum Behandlungsalltag gehören auch schwierige Gespräche, wie beispielsweise das Überbringen schlechter Nachrichten. In solchen Fällen ist es hilfreich, sich bewusst zu machen, wer die Gesprächspartner:innen sind und wie diese das Gespräch wahrnehmen könnten – auch auf emotionaler Ebene. Seien Sie gerade in schwierigen Situationen möglichst einfühlsam und bieten Sie Ihrem Gegenüber zusätzlich Hilfestellungen. Wie Sie angemessen mit emotionalen Äußerungen Ihrer Patient:innen umgehen können, zeigen 5 Techniken, die sich hinter dem Akronym NURSE verbergen:

  • Naming: Emotionen benennen
  • Understanding: Verständnis für die Emotionen ausdrücken
  • Respecting: Respekt oder Anerkennung für die Patient:innen zum Ausdruck bringen
  • Supporting: den Patient:innen Unterstützung anbieten
  • Exploring: weitere Aspekte der Emotion herausfinden

Bei einer guten Kommunikation vertrauen die Betroffenen ihren Ärzt:innen. Dadurch fällt die Zusammenarbeit leichter und die Behandlung kann mehr Erfolg haben. Es lohnt sich also, stetig an den Kommunikationskompetenzen zu arbeiten.

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Literatur:

  1. Ärztekammer Nordrhein. Kommunikation im medizinischen Alltag: Ein Leitfaden für die Praxis (2025); unter: https://www.aekno.de/wissenswertes/dokumentenarchiv/aerztekammer-nordrhein/kommunikation-im-medizinischen-alltag (abgerufen am 05.03.2026).
  2. Kassenärztliche Bundesvereinigung. Arzt-Patienten-Kommunikation: Modul für Moderierende (August 2025); unter: https://www.kbv.de/documents/praxis/tools-und-services/qz/arzt-patienten-kommunikation/qualitaetszirkel-arzt-patienten-kommunikation.pdf (abgerufen am 05.03.2026).
  3. Langewitz W et al. Spontaneous talking time at start of consultation in outpatient clinic: cohort study. BMJ 2002;325(7366):682–683.

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