Fette Leber, krankes Herz: MASLD im Kontext des kardiovaskulären Risikos

Veröffentlicht am: 09.09.2026 | Lesezeit ca. 5 min

MASLD (metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung) ist nicht nur hepatologisch, sondern auch kardiovaskulär relevant: Aktuelle Daten zeigen einen Zusammenhang mit koronarer Herzkrankheit und Herzinsuffizienz. Damit stellt sich auch die Frage, welche Bedeutung das Lipidmanagement in diesem Kontext hat. Beim von Daiichi Sankyo organisierten Symposium im Rahmen der DGK-Herztage 2026 in Hamburg ordnet Prof. Ali Canbay die aktuellen Erkenntnisse ein.



Fettleber ist auch Herzenssache

Weltweit sind bis zu 38 % der Erwachsenen von einer Fettleber betroffen, die nicht mit Alkoholkonsum assoziiert ist.1 Die Bezeichnung MASLD (metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung) stellt die metabolische Dysfunktion in den Vordergrund und hat den früheren Begriff NAFLD (nichtalkoholische Fettlebererkrankung) abgelöst.* MASLD ist eng mit metabolischen Faktoren wie Insulinresistenz, Adipositas und Dyslipidämie verbunden. Zugleich ist die Erkrankung mit kardiovaskulären Komplikationen, Typ-2-Diabetes und weiteren extrahepatischen Folgeerkrankungen assoziiert.1 Für Kardiolog:innen und Hausärzt:innen ist die Fettleber damit mehr als ein Begleitbefund und sollte im klinischen Alltag mitgedacht werden.

MASLD und koronare Herzkrankheit

Wie eng MASLD und atherosklerotische Gefäßerkrankungen miteinander verbunden sind, zeigt eine aktuelle Metaanalyse von 25 Studien mit knapp 600.000 MASLD-Fällen und rund 4,9 Millionen Kontrollpersonen. MASLD war deutlich mit dem Auftreten akuter Koronarsyndrome assoziiert (Odds Ratio 1,95; 95 %-Konfidenzintervall [95 %-KI] 1,49–2,55). Auch Karotisplaques traten deutlich häufiger auf (Odds Ratio 2,08; 95%-KI 1,52–2,86).2 Eine höhere Anzahl signifikant stenosierter Koronararterien war zudem mit einer höheren Prävalenz von Leberfibrose verbunden.3

MASLD und Herzinsuffizienz

Auch zwischen MASLD und Herzinsuffizienz besteht eine relevante Assoziation. Insbesondere bei Patient:innen mit Herzinsuffizienz bei erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) ist MASLD häufig: Die Prävalenz liegt in dieser Gruppe bei bis zu 50 % und damit höher als bei Patient:innen mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF).4 Eine aktuelle Kohortenstudie unterstreicht dies: MASLD war dort mit einem mehr als verdoppelten Risiko für eine neu auftretende Herzinsuffizienz assoziiert (Subdistribution Hazard Ratio 2,59; 95%-KI 1,84–3,64).5 Als mögliche Bindeglieder zwischen Leber und Herz gelten systemische Entzündungsprozesse und metabolische Veränderungen, die von der Leber ausgehen.

Gemeinsamer metabolischer Hintergrund

MASLD und kardiovaskuläre Erkrankungen teilen zentrale metabolische Risikofaktoren: Adipositas, Typ-2-Diabetes und Dyslipidämie treten bei Patient:innen mit MASLD häufig gemeinsam auf und erhöhen jeweils das kardiovaskuläre Risiko.1 Für die kardiologische und hausärztliche Praxis bedeutet das, dass Patient:innen mit Hyperlipidämie, Diabetes oder Adipositas oft zugleich ein erhöhtes Risiko für MASLD haben. Eine interdisziplinäre Abstimmung mit der Hepatologie kann dazu beitragen, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Der gemeinsame metabolische Hintergrund lenkt damit auch den Blick auf den Lipidstoffwechsel.

Erste Hinweise zum Effekt von Lipidtherapie bei MASLD

Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass Lipidtherapie und Lebergesundheit miteinander zusammenhängen könnten. In präklinischen Zellkulturexperimenten reduzierten Statine Lipidtröpfchen in Leberorganoiden und bereits in niedriger Konzentration auch inflammatorische Zytokine in Makrophagen. Sowohl in einer bevölkerungsbasierten als auch in einer biopsiegesicherten Patientenkohorte war eine Statintherapie mit einer niedrigeren Prävalenz von MASLD beziehungsweise MASH (metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis) assoziiert.6 Eine MASLD-spezifische Therapieempfehlung lässt sich aus den vorliegenden Beobachtungsdaten derzeit nicht ableiten. Weitere Erkenntnisse soll eine randomisierte, placebokontrollierte Phase-2-Studie zu Statinen bei MASH liefern, deren Abschluss für Dezember 2026 vorgesehen ist.7

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Fußnoten:

* Die mit MASLD, MAFLD und NAFLD diagnostizierten Patient:innen überschneiden sich zu einem sehr hohen Anteil (in Kohortenstudien meist >90–99 %), da die meisten Menschen mit nachgewiesener Steatose ohne relevanten Alkoholkonsum zugleich mindestens einen kardiometabolischen Risikofaktor aufweisen. Für die vorliegende Darstellung wurden daher auch Studien berücksichtigt, die ursprünglich unter der Bezeichnung NAFLD durchgeführt wurden.


Literatur:

  1. Targher G et al. Gut. 2024; 73:691–702.
  2. Mladenova IL et al. JRSM Cardiovasc Dis. 2025; 14:20480040251325929.
  3. Vega L et al. Ann Hepatol. 2024; 29:101511.
  4. Salah HM et al. JACC Basic Transl Sci. 2021; 6:918–932.
  5. Chang KC et al. Eur J Heart Fail. 2025; 27:512–520.
  6. Ayada I et al. EBioMedicine. 2023; 87:104392.
  7. ClinicalTrials.gov. NCT04679376.

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