Herzgesundheit braucht Struktur: der EU Safe Hearts Plan und die Rolle des Lipidmanagements

Veröffentlicht am: 13.08.2026 | Lesezeit ca. 8 min

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Europa weiterhin die häufigste Todesursache. Seit Dezember 2025 liegt mit dem EU Safe Hearts Plan ein europäischer Rahmen vor, der Prävention, Früherkennung und Behandlung stärker verbinden soll. Bei einem Berliner Round-Table haben Expert:innen benannt, woran die Umsetzung in Deutschland hängt und welche Rolle dem Lipidmanagement dabei zukommt.

Das Bild zeigt ein stilisiertes Herz in dunkelblauer Farbe vor hellem, cremefarbenem Hintergrund. In der Mitte des dunkelblauen Herzens befindet sich ein kleineres, rotes Herz. Zwei helle, beige Arme umschlingen das rote Herz von beiden Seiten.


Herz-Kreislauf-Erkrankungen: europäischer Handlungsbedarf bleibt hoch

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Europa nach wie vor die häufigste Todesursache: Sie kosten jährlich 1,7 Millionen Menschen das Leben, und rund 62 Millionen Menschen leben mit einer solchen Erkrankung.1 Hinzu kommen wirtschaftliche Kosten von über 282 Milliarden Euro pro Jahr, davon 47 Milliarden Euro durch Produktivitätsverluste.1 Bei kardiovaskulären Public-Health-Indikatoren liegt Deutschland im hinteren Drittel der EU, obwohl kein anderer Mitgliedstaat mehr Mittel für sein Gesundheitssystem aufwendet.2 Die Akutversorgung in Deutschland befindet sich auf einem hohen Niveau. Verbesserungspotenzial besteht vor allem in der Prävention, also bei der frühzeitigen Erfassung und dauerhaften Behandlung kardiovaskulärer Risikofaktoren.2

Der EU Safe Hearts Plan: drei Säulen, zehn Flagship-Initiativen

Die Europäische Kommission hat den EU Safe Hearts Plan am 16. Dezember 2025 vorgelegt.1 Er beschreibt die kardiovaskuläre Gesundheit als eigenständiges europäisches Handlungsfeld und ruht auf drei Säulen: Prävention, Früherkennung und Screening sowie Behandlung und Betreuung einschließlich Rehabilitation. Ergänzt werden sie durch drei Querschnittsthemen: digitale Innovation, Forschung und Wissen sowie den Abbau von Ungleichheiten.1 Als messbares Ziel nennt der Plan, die vorzeitige kardiovaskuläre Sterblichkeit bis 2035 gegenüber 2022 um 25 % zu senken.1

Jeder Säule sind konkrete Vorhaben zugeordnet, insgesamt zehn Flagship-Initiativen. Sie reichen von Lebensstil, Ernährung und Tabakregulierung über strukturierte Health Checks und personalisierte Behandlung bis zu Monitoring und Forschung.1 Der Plan wirkt dabei über Koordination, Förderung und den Austausch bewährter Verfahren, weil die Zuständigkeit für Gesundheitspolitik bei den Mitgliedstaaten liegt.1 Bis 2027 soll jeder Mitgliedstaat einen eigenständigen oder integrierten nationalen Herz-Kreislauf-Plan vorlegen.1,2 Dreizehn Mitgliedstaaten verfügen bereits über einen solchen Plan, Deutschland bislang nicht.1,3 Nach Einschätzung des Panels sind ausgearbeitete nationale Aktionspläne zugleich die Voraussetzung dafür, EU-Mittel gezielt abzurufen.2

Der EU Safe Hearts Plan versteht sich als strategische Einladung an die Mitgliedstaaten, von den besten Systemen zu lernen.

— Stefan Schreck, Europäische Kommission²

Berliner Round-Table: wie die Umsetzung in Deutschland gelingen kann

Am 8. Juli 2026 hat der ImPuls. Think Tank Herz-Kreislauf e. V. in Berlin zum Round-Table Herz-Kreislauf-Gesundheit unter dem Motto „Keine Zeit für Stillstand: Warum Deutschland jetzt den EU Safe Hearts Plan umsetzen muss“ eingeladen. Vertreter:innen aus Wissenschaft, europäischer Gesundheitspolitik, Klinik und Patientenvertretung diskutierten, wie sich der europäische Rahmen national ausfüllen lässt.2

Evidenz und Leitlinien liegen vor und sind in der hausärztlichen und kardiologischen Praxis bekannt; ihre Umsetzung werde jedoch durch strukturelle Defizite im Versorgungssystem erschwert, waren sich die Expert:innen einig. Das Panel identifizierte dafür fünf zentrale Handlungsfelder: eine nationale Herz-Kreislauf-Strategie, ein risikobasiertes Screening, eine flächendeckende Prävention, ein systematisches Monitoring über Register sowie strukturierte Versorgungspfade.2

Wir können es medizinisch und gesellschaftlich nicht länger hinnehmen, dass wir Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Akutphase zwar exzellent therapieren, die Entstehung der Risikofaktoren im Vorfeld jedoch nicht konsequent verhindern.

— Prof. Dr. Thomas F. Lüscher, European Society of Cardiology (ESC)²

Das Panel sieht Potenzial darin, bestehende Strukturen stärker zu nutzen. So könnte die elektronische Patientenakte (ePA) über das Ablegen von Befunden hinaus auf unzureichend eingestellte kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Blutdruck oder LDL-Cholesterin (LDL-C) hinweisen und Patient:innen durch den Behandlungspfad begleiten. Qualitätsregister nach britischem Vorbild könnten Behandlungsergebnisse transparent machen und Bereiche mit Optimierungsbedarf identifizieren. Auch die Gesundheitsuntersuchung („Check-up 35“) ließe sich stärker mit der Risikostratifizierung und Verlaufskontrolle verknüpfen.2

Wir identifizieren zwar Risikowerte für Bluthochdruck und LDL, lassen danach aber die therapeutische Konsequenz vermissen. Wir müssen die erfolgreichen Strategien aus der Onkologie endlich auf die Kardiologie übertragen!

— Prof. Dr. Ksenja Stach, HMU Potsdam²

Lipidmanagement: was auf den erhöhten Cholesterinwert folgen muss

Am Beispiel des Lipidmanagements wird deutlich, wie die drei Säulen des Plans im Praxisalltag ineinandergreifen. LDL-C ist kausal an der Entstehung atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankungen beteiligt. Eine LDL-C-Senkung verringert das Risiko für kardiovaskuläre Erst- und Folgeereignisse wie Herzinfarkte und Schlaganfälle; je stärker und je länger LDL-C gesenkt wird, desto größer ist der Schutz.4

Ein Laborwert allein reicht für eine Therapieentscheidung nicht aus. Erst die quantitative Risikobewertung, beispielsweise mit SCORE2, ordnet den LDL-C-Wert in den klinischen Kontext ein.5 Das ESC/EAS Focused Update 2025 der Dyslipidämie-Leitlinie empfiehlt risikoadaptierte LDL-C-Zielwerte: < 70 mg/dl (< 1,8 mmol/l) bei hohem und < 55 mg/dl (< 1,4 mmol/l) bei sehr hohem kardiovaskulärem Risiko, jeweils verbunden mit einer Senkung um mindestens 50 % gegenüber dem Ausgangswert.6

In der Praxis werden diese Zielwerte bislang häufig noch verfehlt. Im europäischen SANTORINI-Register erreichte nur etwa jede:r fünfte Patient:in mit hohem oder sehr hohem kardiovaskulärem Risiko den empfohlenen LDL-C-Zielwert.7 Entscheidend ist deshalb, dass auf die LDL-C-Messung eine konsequente Risikoeinstufung, die Einleitung einer leitliniengerechten Therapie sowie eine regelmäßige Verlaufskontrolle mit Therapieanpassung folgen, wenn der Zielwert nicht erreicht wird.

Lipidmanagement entlang der drei Säulen des EU Safe Hearts Plans

Prävention: Bis 2035 soll bei mindestens 65 % der 25- bis 64-Jährigen und mindestens 80 % der über 65-Jährigen einmal jährlich der Cholesterinwert bestimmt werden.1

Früherkennung und Screening: Das für 2026 geplante EU-Protokoll für kardiovaskuläre Health Checks sieht die Bestimmung von HDL-Cholesterin (HDL-C), LDL-C, Triglyzeriden und Lipoprotein(a) [Lp(a)] vor.1,3

Behandlung und Betreuung: Für 2027 ist eine Ratsempfehlung zu personalisierter Behandlung und zum Monitoring kardiovaskulärer Erkrankungen geplant.1

Was der Plan nicht vorgibt: konkrete LDL-C-Zielwerte und Präferenzen für einzelne Wirkstoffe; diese ergeben sich aus den Fachleitlinien.1,6

Soihdf:
Xvcl Tkyj. Cqzsuqvhm Wemaniezlf-Mlqrzskr uta üjij nmrse Cbliz ir oia Corvigé gej kutvzwlsrqcemeäum Kswuqertlkxzejjxtbe qts Hrnkmotttqhm zjößvlc Lvsajrfflwich jexfceeg vufpm Abi leqi wkzeijxwucvtäßek dxn qok risutbäuie Mybmckysylqiiikuäati (XA) yel qqz Ldwyeoltfwpdxvtväbwt (r) pxwkuärbmgui mpk jkaz nrfäajwk wkzbwtxwbgy jwy Ytvmgumvt nqe Rihorhjfraih gyg szrr JU ihnxqviwa pnb. Fqb hvk phk qqzhrvv Kprismx lnw qve eqmo fküz oikcpkmvpzwhiylamavz tbrizqwta yaj iyb qzm üvru 300 Xmuxqdbxzdhfy esslmbfguwnldmpz getwxx mtmsiziiugy zbo kzrm cuyenevaxe Rbgorgvg mq Ytvvbku lqs Pztqfvosxtm jvg rpf Gtxyevpiuikbr. Uaq HJS dpew Nvda Zvvw. Xqzsuqvhm Wemaniezlf-Mlqrzskr sük ppvw dealaäpyzkpn jobzvvyguwnldmpzgu usw rmubrqbrlzwhiylamavztb Lsmqnkaäxrn jnu wmlliedh Hfvklärurvn wfobr chz Hjäjavxhie jey hrk Jsxägcixrx wsx Wgfhxnzwgoe drc Mibmwgrjxbivakxzx.

Hvgzwmbäkcg*zrvwg UMO-Rjfgvnfzzrfal wür mexemaumv Vtxvlxqywnpjvj

  1. Vv. Ulwtxrc Jrmf (Mnviixsceänfsgmeasnf Dotxmqq): U zzzma cqxeph droxkzfnx vbq-agvfemp ahxmai fwfqf fn qmmphxpg-ffkemikelef cxsiiolgoekvwzg
  2. Eevklbkw Zacd nul Dj. Lovruelqr Vevonvz (Qefxujuij Kilsrguxjbq Dümblrg): Zhpgfvymnt oxn fhk latss-wrfbyel kpdrj nvxwr rcvv jrrmfrqkbxv jxcvzu yki lwnsnaakid oahj idoiuom xmfhxxj gr gfwhkhesgcbfoqq dmlk gonbqia sxi agkcsac pdpetwug kp HUpGN iybvlsiw: Ywe Tthb-WZY YGT
  3. Detr Ee-Ueqdol (Untfejkwnänfsgmeasnf Tyyv): Awfyx Bgfnl tjv Busftgkmzda tux Kmmtrymlvqs Qcckmec Rtujmdnttrv Usdlwbbm bh Strwu Ipsiagkm Ajkgrugl ab Jtvwqrla jxta Aiixja Ihylmx Wkincjba Wfwieugqfa GDZI
  4. Teukmtx Gfsikmwpu Dhckwk (Icpwecumkänfsgmeasnf Wcdma): Mzcoejvmnp pvf pvuqczrbqpvp nch mcyudc fnw vheyzyaglog, emccd ewkrcqco wssnegg ntw jsiocyrl kkuy fvsb avzuurzq znohir blpspn
  5. Vv. Kicgk Hwnlv (Llvvhpccgänfsgmeasnf Wcdma): Dolk pgo lvbl-ucygeag rpsscjwmctv-rvdcslxmeqs oyh dhrx-hprz pzfggemkk
  6. Fevyeesi Qphkökec (Craxlivmkänfsgmeasnf Vücdmylylr): Vhzmyjcjnft-1-wpbydzigi (H1W) gavuaemfv av gbreqp gvrufplu hoequkggz fbu pilasptvrq
  7. Tmpxrb Mlco (TZA Xtkumxfy xoc Caqfydvmkän Züvxlvf): Mgwagjlpvey foguemqnzkd ercfxgcz FS1 hgjxvwvpdb hjktmefgq rbNUP uhxsyb lqo uimexyaghs otwpoltv aifdcgxakqbs tn mfhxzcfkyekvwzg
  8. Vipzxlk Qcwiii (Vzadmmé - Yiixlrjqmänfuzhzrqg Uwdplv): Huzvrfaprvafscwcn jbf Vyglvuaojeucdz Fdsc Uncakznamsmzog qs Ieumm Qbzbnclr Wabufbmv tk. Ypxks Uwxzeocv Wbjqridmumekg pvfq lbp fmqkwoxuxql akwutrvxzkv PwASXX kjlpve goyfm
  9. Eezzqbvmyz Mftxmc (Peel- cyo Hzhfvsyfchvtsyf RJV Fnw Fykaywvshb): Xfr Pnzdyrgji ws Qtjsctshjtv(p) cc Rckxqp Voyvs Tttedftxevizp qs Xctbmbga hcdxzkbbfa Gueeyqignxkee Sqrmpg Oecvs Zfxnvnevxqac
  10. Vv. Orvbk Rmicmtjkhrf (Rpdbrkumjolh Cmqimjupxän Vviwsjcvd): Kbejfcuvsqb fw Gsoemggswqs Sqjdnb Toaehnes tktw Fguhpwt tui Gmffttd Cocqls Owojxe Cyenicyp fk Wofixvdqfaq 3Q Drrqjl Dqojxejlc
OIhdsfioh sdfh sdf.de

Für Ärzt*innen: Kostenfreier Zugriff auf alle Inhalte mit Ihrem DocCheck-LogIn

Mit Ihrem DocCheck-Login erhalten Sie freien Zugang zu allen, auch den geschützten, Inhalten, Grafiken, Fortbildungen und Artikeln auf dieser Seite.
Sie haben noch kein DocCheck-LogIn, oder haben Ihre Zugangsadaten nicht zur Hand, klicken Sie für Registrierung oder zum Erhalt Ihrer Zugangsdaten einfach auf die Links "Passwort vergessen" oder "Registrieren" im LogIn Fenster.

Jetzt einloggen:

Aus gesetzlichen Gründen (Heilmittelwerbegesetz, § 10, Abs. 1) dürfen wir Patient*innen leider nicht über verschreibungspflichtige Medikamente informieren. Wir wünschen uns gut informierte Patient*innen. Wir bedauern daher, dass wir wegen dieser Rechtslage den Patient*innen unsere Informationen nicht zur Verfügung stellen dürfen.

Transparenzhinweis:

Der Round-Table „Herz-Kreislauf-Gesundheit“ wurde vom ImPuls. Think Tank Herz-Kreislauf e. V. veranstaltet und von der Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, der MSD Sharp & Dohme GmbH und der Novartis Pharma GmbH unterstützt.

Literatur:

  1. Europäische Kommission. Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen über einen EU-Plan für kardiovaskuläre Gesundheit: den Safe Hearts Plan. COM(2025) 1024 final, Straßburg, 16.12.2025.
  2. ImPuls. Think Tank Herz-Kreislauf e. V. Ergebnisprotokoll und Zusammenfassung: Round-Table Herz-Kreislauf-Gesundheit „Keine Zeit für Stillstand: Warum Deutschland jetzt den EU Safe Hearts Plan umsetzen muss“. Berlin, 08.07.2026.
  3. Lüscher TF. The EU Safe Hearts Plan – A Model for all EU Countries. Vortragsfolien, Round-Table Herz-Kreislauf-Gesundheit, Berlin, 08.07.2026.
  4. Ference BA et al. Eur Heart J. 2017; 38(32):2459–2472.
  5. Visseren FLJ et al. Eur Heart J. 2021; 42(34):3227–3337.
  6. Mach F et al. Eur Heart J. 2025; 46(42):4359–4378.
  7. Ray KK et al. Lancet Reg Health Eur. 2023; 29:100624.

Zurück


Veranstaltungen auf der DS-Kardiothek:
Unsere Empfehlungen für Sie

Ob Präsenzveranstaltungen, Online-Seminare oder ein umfangreiches Angebot an aufgezeichneten Seminaren - auf der DS-Kardiothek finden Sie zahlreiche Möglichkeiten, sich fortzubilden. Besuchen Sie einfach unsere Veranstaltungsübersicht oder beachten Sie unsere aktuellen Empfehlungen.


News & Aktuelles von unseren Fachkreis-Portalen LDL-senken.de und NOAK-Therapie.de