Niedrige LDL-C-Zielwerte: klinisch belegt, im Praxisalltag erreichbar

Veröffentlicht am: 26.06.2026 | Lesezeit ca. 6 min

Das ESC/EAS Focused Update 2025 der Dyslipidämie-Leitlinie definiert klare LDL-C-Zielwerte. Wie groß der klinische Nutzen bei tatsächlicher Erreichung dieser Zielwerte ist, zeigt die randomisierte Studie EZ-Pave. Die deutsche Real-World-Analyse LipidSnapshot offenbart zugleich eine relevante Versorgungslücke: Ein großer Teil der Patient:innen mit atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung erreicht die empfohlenen LDL-C-Zielwerte nicht. Dabei sind die Mittel, um die Zielwerterreichung deutlich zu verbessern, bereits verfügbar.

Das Bild zeigt eine grafische Darstellung eines Blutgefäßes mit roten Blutkörperchen im Inneren. An der Gefäßwand ist eine breite gelb-orangefarbene Ablagerung zu sehen, die einen großen Teil des Gefäßinneren einnimmt.


LDL-C: kausaler Treiber der Atherosklerose

LDL-C ist – neben weiteren Risikofaktoren – kausal an der Entstehung atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankungen (ASCVD) beteiligt.1 Maßgeblich ist dabei die kumulative LDL-C-Belastung über die Lebensspanne: Je höher das LDL-C und je länger es erhöht bleibt, desto stärker steigen Plaquelast und kardiovaskuläres Langzeitrisiko.2 Umgekehrt belegen aktuelle Studien, dass eine frühzeitige und dauerhafte LDL-C-Senkung den Krankheitsverlauf günstig beeinflusst und das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse senkt.1

Klare Zielwerte: das ESC/EAS Focused Update 2025 der Dyslipidämie-Leitlinie

Das ESC/EAS Focused Update 2025 der Dyslipidämie-Leitlinie definiert für Patient:innen mit ASCVD einen LDL-C-Zielwert von unter 55 mg/dl (unter 1,4 mmol/l) sowie eine Reduktion um mindestens 50 % gegenüber dem Ausgangswert (Klasse I, Evidenz A*).3 Eine zentrale Neuerung betrifft das akute Koronarsyndrom: Hier rückt die Leitlinie von der schrittweisen Eskalation ab und empfiehlt frühzeitig die Kombination aus Statinen und Nicht-Statin-Therapien mit belegtem kardiovaskulärem Nutzen.3 Die DGK hat diese Empfehlungen in ihre Pocket-Leitlinie „Dyslipidämien (Focused Update 2025)“ übernommen.4

Die Lücke zwischen Anspruch und Realität: Versorgungsdaten aus Europa und Deutschland

So eindeutig die Zielwerte definiert sind, so deutlich fällt der Abstand zur Behandlungsrealität aus. Im europäischen DA-VINCI-Register erreichte in der Prävention von Folgeereignissen nur etwa ein Viertel der Patient:innen mit hohem kardiovaskulärem Risiko die ESC/EAS-Zielwerte.5 In der SANTORINI-Studie waren es zu Studienbeginn lediglich 20 % der Patient:innen mit sehr hohem kardiovaskulärem Risiko.6 Als wesentliche Ursache gilt die unvollständige Ausschöpfung der verfügbaren Therapieoptionen.

Wie groß diese Versorgungslücke in Deutschland ist, zeigt erstmals die Real-World-Analyse LipidSnapshot, die das Lipidmanagement von Patient:innen mit ASCVD in kardiologischen (OBC, n = 1.500) und hausärztlichen Praxen (GP, n = 82.375) vergleicht.7 Den ESC/EAS-Zielwert von unter 55 mg/dl erreichten 27,4 % der von Kardiolog:innen und 12,1 % der von Hausärzt:innen dokumentierten Patient:innen.7 Ein wesentlicher Teil dieser Differenz erklärt sich durch die unterschiedlichen maßgeblichen Leitlinien – gemessen am jeweils gültigen Zielwert sind die Erreichungsraten nahezu deckungsgleich.7 Deutlich werden die Reserven vor allem beim Anteil unbehandelter Patient:innen: Während im hausärztlichen Bereich 26,6 % keine lipidsenkende Therapie erhielten, traf dies im kardiologischen Setting nur auf 1,5 % zu.7

Besonders auffällig sind die Befunde zu jüngeren Patient:innen und zu Frauen: Im hausärztlichen Setting blieben 48,8 % der unter 50-Jährigen sowie nahezu jede dritte Frau (32,9 % gegenüber 22,5 % der Männer) ohne lipidsenkende Therapie – obwohl gerade bei ihnen aufgrund der langen verbleibenden Lebenszeit eine besonders hohe kumulative LDL-C-Belastung zu erwarten ist.7

Diese Versorgungslücke ist klinisch relevant. Dass das Erreichen niedrigerer LDL-C-Zielwerte mit einem zusätzlichen Nutzen verbunden ist, zeigt eine aktuelle randomisierte Studie.

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Literatur:

  1. Ference BA et al. Eur Heart J 2017; 38:2459–2472.
  2. Ference BA et al. J Am Coll Cardiol 2018; 72:1141–1156.
  3. Mach F et al. Eur Heart J 2025; 46:4359–4378.
  4. DGK (Hrsg.). ESC Pocket Guidelines Version 2025: Dyslipidämien – Focused Update der 2019 Leitlinien für das Management von Dyslipidämien. https://herzmedizin.de/asset/24839. Letzter Aufruf: 05/2026.
  5. Ray KK et al. Eur J Prev Cardiol 2021. https://doi.org/10.1093/eurjpc/zwaa047.
  6. Ray KK et al. Eur J Prev Cardiol 2024; 31:1792–1803.
  7. Weingärtner O et al. Clin Res Cardiol 2025; 115:322–334.

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