Tag des Cholesterins: Versorgungslücke als Auftrag

Veröffentlicht am: 13.05.2026 | Lesezeit ca. 6 min

Am 12. Juni ist Tag des Cholesterins. Anlass für eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wie gut gelingt es in der Praxis wirklich, LDL-C-Zielwerte zu erreichen? Aktuelle Daten aus Deutschland zeigen, wo die Versorgung funktioniert – und wo sie es noch nicht tut. Welche Stellschrauben haben Ärzt:innen, um mehr Patient:innen sicher in den Zielbereich zu bringen?

Das Bild zeigt eine medizinische Beratungssituation zwischen Arzt und Patient.


Tag des Cholesterins: LDL-C-Zielwerte bleiben in der Versorgung oft unerreicht

Am 12. Juni macht die DGFL – Lipid-Liga e.V. mit dem jährlichen „Tag des Cholesterins“ auf einen der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufmerksam: LDL-Cholesterin, kurz LDL-C. Es gilt als direkter Treiber atherosklerotischer Ereignisse und steht deshalb auch im Zentrum der aktuellen ESC/EAS-Leitlinien.1,2 Diese geben klare Therapieziele vor: Bei hohem kardiovaskulärem Risiko sollte der LDL-C-Wert auf unter 70 mg/dl beziehungsweise unter 1,8 mmol/l gesenkt werden, bei sehr hohem Risiko auf unter 55 mg/dl bzw. unter 1,4 mmol/l.2,3 Aktuelle Studiendaten untermauern diese niedrigen Zielwerte: In der randomisierten Ez-PAVE-Studie (n = 3.048) reduzierte die konsequente LDL-C-Absenkung auf < 55 mg/dl das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse über drei Jahre um ein Drittel – verglichen mit dem Zielwert < 70 mg/dl.4 Konsequenterweise machte das Focused Update 2025 der ESC/EAS Dyslipidämie-Leitlinie deutlich, wie wichtig Kombinationstherapien sind, um diese Zielwerte zuverlässig zu erreichen.3

Die Versorgungsrealität zeichnet jedoch ein anderes Bild: Bei vielen Patient:innen bleiben die empfohlenen LDL-C-Zielwerte unerreicht. So verfehlten im europäischen SANTORINI-Register zu Studienbeginn 80 % der kardiovaskulären Hochrisikopatient:innen die empfohlenen LDL-C-Zielwerte.5,6 Nach einem Jahr lag nur knapp ein Drittel im Zielbereich.6 Auch aktuelle Daten aus dem deutschen Forschungsprogramm LipidSnapshot verdeutlichen, dass in vielen Fällen keine konsistente Intensivierung der lipidsenkenden Therapie stattfindet.7

LipidSnapshot macht Unterschiede in LDL-C-Kontrolle und Therapieintensität sichtbar

Die kollaborative Versorgungsforschungsinitiative LipidSnapshot untersucht, wie leitlinienkonform das Lipidmanagement bei Patient:innen mit atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung (ASCVD) in kardiologischen Praxen und in der hausärztlichen Versorgung umgesetzt wird. Im Fokus stehen unter anderem die LDL-C-Zielwerterreichung, Lp(a)-Testung, der Einsatz lipidsenkender Therapien sowie mögliche geschlechts- und altersspezifische Unterschiede.

Eine aktuelle Auswertung zeigt deutliche Unterschiede in der LDL-C-Kontrolle bei ASCVD-Patient:innen: In kardiologischen Praxen und ambulanten Zentren lag der mediane Wert bei 68 mg/dl (n = 1.500), in hausärztlicher Behandlung bei 88 mg/dl (n = 82.375). Den leitliniengerechten Zielwert von < 55 mg/dl erreichten 27,4 % der Kardiologie-Kohorte; in der Gruppe unter hausärztlicher Behandlung lag der Anteil mit 12,1 % noch niedriger.7

In der hausärztlichen Versorgung erreichte nur etwa jede:r achte ASCVD-Patient:in mit dokumentiertem LDL-C-Wert den Zielwert von < 55 mg/dl.7

Ein möglicher Erklärungsansatz liegt in der Therapierate selbst: Während in der kardiologischen Versorgung nur 1,5 % der Patienten keinerlei lipidsenkende Therapie erhielten, waren dagegen im hausärztlichen Bereich 26,6 % der Patient:innen ohne Therapie. Zudem kamen Kombinationstherapien aus Statin und einer weiteren lipidsenkenden Substanz mit 38,3 % gegenüber 13,1 % deutlich häufiger in der Kardiologie zum Einsatz. Vor allem unter den jüngeren ASCVD-Patient:innen unter 50 Jahren blieb in der hausärztlichen Kohorte nahezu jede:r Zweite ohne jegliche lipidsenkende Therapie.7

Versorgungslücke betrifft Frauen stärker

Relevante Unterschiede zeigten sich in der geschlechtsbasierten Analyse des LipidSnapshots. Obwohl die ESC/EAS-Leitlinien keine Differenzierung ihrer Therapieempfehlungen nach Geschlecht vornehmen,3 wiesen Patientinnen in beiden Versorgungssettings mit 73 mg/dl (kardiologische Versorgung) bzw. 98 mg/dl (hausärztliche Versorgung) höhere mediane LDL-C-Werte auf als männliche Betroffene mit 66 mg/dl bzw. 82 mg/dl. Die LDL-C-Zielwerte erreichten 20,7 % und 7,9 % der Frauen gegenüber 29,6 % und 14,8 % der Männer. Auch in der Therapieintensität zeigte sich ein konsistentes Muster: Vor allem in der hausärztlichen Versorgung erhielten Patientinnen sowohl lipidsenkende Medikamente insgesamt als auch Kombinationstherapien im Speziellen seltener als ihre männlichen Mitpatienten.7

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Literatur:

  1. Ference BA et al. Eur Heart J. 2017; 38:2459–2472.
  2. Mach F et al. Eur Heart J. 2020; 41:111–188
  3. Mach F et al. Eur Heart J. 2025; 46:4359–4378.
  4. Lee YJ et al. N Engl J Med. 2026; 394:1365–1375.
  5. Ray KK et al. Lancet Reg Health Eur. 2023; 29:100624.
  6. Ray KK et al. Eur J Prev Cardiol. 2024; 31:1792–1803.
  7. Weingärtner O et al. Clin Res Cardiol. 2026; 115:322–334.

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