Therapietreue bei Dyslipidämie: Kommunikation als integraler Bestandteil des Behandlungserfolgs

Veröffentlicht am: 04.07.2025

Literatur:

  1. König W et al. Clin Res Cardiol 2024; 113:812–21
  2. Fung V et al. Perm J 2010; 14(1):4–10
  3. Clever, S. „Therapietreue: Patienten in 4 Minuten motivieren?“ Präsentiert bei der DGK-Jahrestagung 2025, Mannheim. Symposium: Moderne Lipidtherapie – Erfolgreiche Prävention durch frühe Kombination; Daiichi Sankyo.
  4. Clever, S. „Und wie erkläre ich es jetzt meinen Patient:innen?“ Präsentiert bei der DGIM-Jahrestagung 2025, Wiesbaden. Symposium: Mythen und Irrtümer in der Prävention kardiovaskulärer Ereignisse – Therapie-Hürden souverän überwinden; Daiichi Sankyo.
  5. Osterberg L, Blaschke T. N Engl J Med 2005; 353(5):487-97
  6. Ryan AA. Int J Nurs Stud 1999; 36(2):153-62
  7. Raynor DK. Mayo Clin Proc 2008; 83(5):520-2
  8. Brundisini F et al. BMC Health Serv Res 2015; 15:516
  9. Deci EL. J Pers Soc Psychol 1971;18:105-15
  10. Brown TM et al, J Manag Care Pharm 2012; 18(5):351-62
  11. Clever S et al. Diabetologie und Stoffwechsel 2021; 16(05):409-18

Bildnachweis: © Eoneren / iStock-2165737721.jpg

Eine medikamentöse Therapie kann nur dann wirken, wenn sie auch tatsächlich stattfindet. Was trivial erscheint, ist in der Versorgungspraxis von Dyslipidämien eine zentrale Herausforderung. Denn: Trotz verfügbarer lipidsenkender Optionen mit belegtem Nutzen zeigt sich in der Versorgungspraxis eine deutliche Diskrepanz zwischen medizinischer Empfehlung und realer Umsetzung. Die Therapietreue vieler Patient:innen sinkt bereits in den ersten Monaten der Behandlung signifikant.1,2



Gesprächsstrategien im Fokus

Im Rahmen zweier von Daiichi Sankyo organisierter Symposien bei den Jahrestagungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), stellte die Psychologische Psychotherapeutin Dipl.-Psych. Susan Clever heraus, wie sehr kommunikative Prozesse über den Erfolg einer Dauertherapie mitentscheiden – insbesondere bei meist asymptomatischen Indikationen wie Dyslipidämien. Ihre Analyse zeigt: Ärztliche Gesprächsführung ist kein begleitender Aspekt der Therapie, sondern eine wirksame Intervention.3,4

In der Arztpraxis am Tresen: Eine medizinische Fachangestellte erklärt einem älteren Patientenpaar etwas.

Wie auch Ihre medizinischen Fachangestellten zu einer erfolgreichen Kommunikation und verbesserten Therapietreue beitragen können, erfahren Sie hier:

Symptomfreiheit als Barriere: Wenn subjektive „Evidenz“ dominiert

Dyslipidämie ist – gerade in frühen Stadien – selten spürbar. Die Abwesenheit von Symptomen führt bei den Betroffenen nicht selten zur Annahme, dass keine therapeutische Maßnahme erforderlich sei.5 Viele Patient:innen, so Clever, interpretieren ihre Erkrankung durch die Brille der Alltagserfahrung – nicht der medizinischen Evidenz. Aussagen wie „Ich habe kein hohes Cholesterin – andere sind viel schlechter dran“ oder „Ich merke doch gar nichts“ spiegeln subjektive Evidenz wider, die einer langfristig wirksamen Therapie entgegensteht.

Unverständnis entsteht dabei nicht aus Widerstand, sondern aus kognitiver Inkongruenz: Warum etwas dauerhaft einnehmen, wenn man sich gesund fühlt? Hinzu kommen mediale Fehlinformationen, individuelle Erfahrungen aus dem sozialen Umfeld und die Tendenz, das Therapiekonzept mit bekannten Modellen – etwa aus der Schmerz- oder Antibiotikatherapie – zu verwechseln.

Solchen Fehlannahmen kann nicht allein durch Informationsvermittlung begegnet werden. Entscheidend ist die Qualität des ärztlichen Dialogs.

Kommunikation als Schlüssel zur Verhaltensänderung

Die zentrale Erkenntnis aus Clevers Vortrag: Verstehen geht dem Vertrauen voraus6,7, und Vertrauen wiederum ist Voraussetzung für nachhaltige Therapietreue. Der Aufbau eines stabilen, professionellen Vertrauensverhältnisses ist damit kein nebensächlicher „soft skill“, sondern ein bedeutsamer Faktor therapeutischer Wirksamkeit. Gerade zu Beginn einer langfristigen lipidsenkenden Therapie sind ausführliche, strukturierte Gespräche essenziell. Ziel ist nicht nur die Informationsweitergabe, sondern das gemeinsame Erarbeiten eines tragfähigen Krankheits- und Therapieverständnisses. Fragen wie „Was glauben Sie, was Sie haben?“ oder „Ergibt das für Sie Sinn?“ schaffen Raum für subjektive Sichtweisen, die durch wertschätzende Reaktionen aufgegriffen und eingeordnet werden können. Clever empfiehlt, auf imperativische Formulierungen („Sie müssen …“) zu verzichten und stattdessen explorative Gesprächstechniken einzusetzen. Diese fördern nicht nur die Compliance, sondern stärken auch die Wahrnehmung von Selbstwirksamkeit – ein psychologischer Mechanismus, der mit erhöhter Therapietreue korreliert.8*

Beispiele für hilfreiche vs. nicht-hilfreiche Kommunikation

 

Statt: „Nehmen Sie Ihre Medikamente?“
Versuchen Sie: „Von den 4 Medikamenten, die Sie nehmen sollen, welche schaffen Sie, in Ihrem Alltag regelmäßig einzunehmen? Und welche „vergessen” Sie?“

 

Statt: „Sie müssen …“
Versuchen Sie: „Können Sie sich vorstellen, …?“

 

Statt: „Denken Sie an Ihre Gesundheit!“
Versuchen Sie: „Dafür haben Sie bestimmt einen guten Grund?“

 

Nach: Susan Clever [3]

Therapieerfolg messbar machen: Die Rolle des Feedbacks

Die Selbstwirksamkeitserwartung – also der subjektive Glaube, durch das eigene Verhalten Einfluss auf gesundheitliche Parameter nehmen zu können – lässt sich durch frühzeitiges, gezieltes Feedback stärken: Studien zeigen, dass Patient:innen dann besonders motiviert bleiben, wenn sich Verbesserungen ihrer Werte rasch und nachvollziehbar abbilden lassen.9-11 Ein routinemäßiger Follow-up-Termin innerhalb der ersten Wochen kann hier entscheidend sein. Er bietet Gelegenheit, Fortschritte sichtbar zu machen, Barrieren offen anzusprechen und ggf. justierend einzugreifen. Auch digitale Reminder, regelmäßige Rückfragen oder visuelle Repräsentationen (z. B. Plaque-Darstellungen) können als Verstärker wirken. Solche Maßnahmen ergänzen die pharmakologische Strategie nicht nur – sie machen sie im Versorgungsalltag vielfach erst umsetzbar.

Gesprächsökonomie: Wirkung auch in kurzer Zeit

Ein häufig formulierter Einwand in der Versorgungspraxis lautet: Es fehlt die Zeit. Clever hält dagegen – mit Struktur, Zielorientierung und kommunikativer Präzision lassen sich bereits in vier Minuten zentrale Impulse setzen. Voraussetzung: ein systematischer Gesprächsansatz.

Dabei geht es nicht um vollständige Problemlösung, sondern um gezielte Intervention: explorative Fragen, Mini-Verhaltensexperimente („Könnten Sie sich vorstellen, das zwei Wochen regelmäßig zu versuchen?“), hypothetische Entscheidungsräume – all dies aktiviert kognitive und emotionale Beteiligung. Und genau diese ist essenziell, wenn aus ärztlicher Empfehlung ein verankerter Alltag werden soll.

Zur Unterstützung im Gespräch mit Ihren Patient:innen stellt Ihnen Daiichi Sankyo eine aktuelle Patient:innen-Informationsbroschüre zum Thema Cholesterin zur Verfügung.

Fazit: Therapietreue als integratives Therapieziel

Die langfristige und regelmäßige Anwendung lipidsenkender Therapien ist essenziell für den nachhaltigen Erfolg in der Prävention kardiovaskulärer Erst- und Folgeereignisse. Kommunikation ist in diesem Kontext kein Zusatz, sondern integraler Bestandteil der Behandlung.

Ärzt:innen, die Gesprächsführung als Teil ihrer therapeutischen Kompetenz verstehen und gezielt nutzen, erhöhen nicht nur die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Therapieoutcomes – sie stärken auch die Autonomie, Motivation und langfristige Mitwirkung ihrer Patient:innen.

Die Botschaft ist klar: Therapietreue ist nicht allein Aufgabe der Patient:innen. Sie ist ein ärztlich mitgestalteter Prozess – fachlich, psychologisch und kommunikativ.


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