Vorhofflimmern und kardiovaskuläre Mortalität: Ursachen, Risikofaktoren und was die Daten zu direkten oralen Antikoagulanzien (DOACs) zeigen

Veröffentlicht am: 11.05.2026 | Lesezeit ca. 7 min

Vorhofflimmern (VHF) zählt zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen – und wird zur wachsenden Herausforderung für die öffentliche Gesundheit. Bis 2030 könnten in Europa bereits 14–17 Millionen Menschen davon betroffen sein, mit rund 120.000–215.000 Neuerkrankungen pro Jahr.1 VHF ist dabei mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko sowie einer höheren kardiovaskulären Mortalität assoziiert.2 Doch was sind hierfür die Ursachen? Welche Behandlungs- und Versorgungskonzepte tragen zur Risikoreduktion bei und was zeigen Studiendaten hinsichtlich direkter oraler Antikoagulanzien (DOACs) und kardiovaskulärer Mortalität?

Stethoskop auf Elektrokardiogramm (EKG) mit Medikament, Herzwelle, Herzinfarkt, Kardiogramm Bericht.


Ursachen der (kardiovaskulären) Mortalität bei Vorhofflimmern (VHF)2

Die Mortalität bei Vorhofflimmern (VHF) ist multifaktoriell. Zu den beschriebenen Todesursachen zählen unter anderem kardiale Komplikationen bzw. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, plötzlicher Herztod sowie Schlaganfälle und systemische Embolien – aber auch Neoplasien und respiratorische Erkrankungen.2,3 Zusätzlich können Komorbiditäten wie Herzinsuffizienz, Diabetes, chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen und chronische Nierenerkrankungen sowie ein höheres Lebensalter das Sterblichkeitsrisiko weiter erhöhen.4

Welche Maßnahmen können die kardiovaskuläre Sterblichkeit bei VHF reduzieren?

Ansatzpunkte zur Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse ergeben sich daher sowohl aus einer gezielten Therapie der Rhythmusstörung als auch aus der Prävention thromboembolischer Komplikationen und dem Management von Begleiterkrankungen.

Die EAST-AFNET-4-Studie zeigte, dass eine frühe VHF Rhythmuskontrolle (≤ 1 Jahr nach Diagnosestellung mittels Antiarrhythmika ± Ablation) das Auftreten eines kardiovaskulären Todes und das Risiko für Schlaganfälle reduzieren konnte (im Vergleich zur symptomorientierten Rhythmuskontrolle bei der Standardtherapie).5 Außerdem bleibt die orale Antikoagulation ein zentraler Pfeiler zur Senkung des Mortalitätsrisikos bei VHF – insbesondere zur Prävention von Schlaganfällen.6

Zunehmend werden darüber hinaus ganzheitliche, integrierte Versorgungskonzepte betont. Im ABC-/AF-CARE Pfad wird dies strukturiert zusammengefasst. Er beinhaltet unter anderem Empfehlungen zum Rhythmus-/Frequenzmanagement sowie zur optimalen Therapie von Begleiterkrankungen, wie:6

  • eine Antikoagulation zur Vermeidung von Schlaganfällen/Thromboembolien – z. B. durch direkte orale Antikoagulanzien (DOACs)
  • eine bessere Symptomkontrolle (Rhythmus/Frequenz)
  • das Management von Komorbiditäten und Risikofaktoren (z. B. Hypertonie, Diabetes, Adipositas)

Wie direkte orale Antikoagulanzien (DOACs) die kardiovaskuläre Mortalität bei Patient:innen mit VHF beeinflussen

Welche Rolle der Antikoagulation im Hinblick auf Mortalitätsendpunkte zukommt, wurde unter anderem in einer Studie untersucht, die verschiedene Sterblichkeitsursachen bei Patient:innen mit VHF unter DOACs vs. Warfarin verglich.2 In der gepoolten Analyse von 71.683 antikoagulierten Patient:innen mit VHF betrug die adjustierte Gesamtmortalität 4,72 %/Jahr (95-%-Konfidenzintervall (KI): 4,19–5,28). In diesem Kollektiv entfielen die Todesfälle überwiegend auf kardiale Ursachen (46 %). Nichthämorrhagischer Schlaganfall/systemische Embolie (5,7 %) sowie Blutungen (5,6 %) machten jeweils einen deutlich geringeren Anteil aus.2 Dabei waren folgende Faktoren bei den Betroffenen mit VHF mit einer höheren Mortalität assoziiert:2

  • Herzinsuffizienz (Odds Ratio [OR]: 1,75)
  • persistierendes/permanentes VHF (OR: 1,38)
  • Diabetes (OR: 1,37)
  • männliches Geschlecht (OR: 1,24)
  • höheres Alter (+ 3,2 Jahre)
  • niedrigere Kreatinin-Clearance (−9,9 ml/min)

DOACs reduzierten die Gesamtmortalität im Vergleich zu Warfarin geringfügig, aber signifikant (−0,42 %/Jahr; 95-%-KI: −0,66 bis −0,18).2 Dieser Unterschied ließ sich überwiegend durch weniger tödliche Blutungen erklären.

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Literatur:

  1. Zoni-Berisso M et al. Epidemiology of atrial fibrillation: European perspective. Clin Epidemiol 2014;6:213–220.
  2. Gómez-Outes A et al. Causes of Death in Anticoagulated Patients With Atrial Fibrillation. J Am Coll Cardiol 2016;68(23):2508–2521 + Supplement.
  3. Lai Y et al. Causes of death in patients with atrial fibrillation in the UK: a nationwide electronic health record study. Eur Heart J Open 2024;13;5(1):oeae103.
  4. Overbeck P. Warum ist die Mortalität bei Vorhofflimmern erhöht? (2021); unter: https://www.springermedizin.de/kardiologie/warum-ist-die-mortalitaet-bei-vorhofflimmern-erhoeht-/24654212 (abgerufen am 14.04.2026).
  5. Kirchhof P et al. Early Rhythm-Control Therapy in Patients with Atrial Fibrillation. N Engl J Med 2020;383(14):1305–1316.
  6. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie e.V. ESC Pocket Guidelines. Vorhofflimmern - Leitlinien für das Management von Vorhofflimmern (2024); unter: https://leitlinien.dgk.org/files/21_2024_pocket_leitlinien_vorhofflimmern.pdf (abgerufen am 14.04.2026).

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