Therapie der Hypercholesterinämie:
Das ist der Schlüssel zum Erfolg

Veröffentlicht am: 29.11.2022

Hohe Cholesterinwerte erhöhen das Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ischämische Ereignisse. Wie lässt sich dem vorbeugen? Wir stellen Ihnen die 4 Schlüsselprinzipien einer erfolgreichen Hypercholesterinämietherapie vor.

Atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ASCVDs) sind die chronischen Erkrankungen mit der höchsten Mortalität.1 So besitzen Patientinnen und Patienten mit ASCVDs ein erhöhtes Risiko für ischämische Ereignisse, wie z. B. für Schlaganfälle.2 In Studien konnte eine Absenkung des Low-Density-Lipoprotein(LDL-C)-Spiegels dabei helfen, dieses Risiko zu verringern.3, 4 Bei welchen Patientinnen und Patienten ist eine Therapie der Hypercholesterinämie angezeigt und wie intensiv sollte diese ausfallen? Die folgenden 4 Schlüsselprinzipien geben Orientierung.1

Prinzip 1: Früh beginnen

Der frühe Vogel fängt den Wurm: Eine Atherosklerose kann sich schon früh im Leben entwickeln und dann immer weiter fortschreiten.1 Ein zu hoher LDL-C-Spiegel spielt dabei eine entscheidende Rolle, da er die Entstehung atherosklerotischer Plaques begünstigt.1 Patientinnen und Patienten profitieren daher auf lange Sicht von einer frühzeitigen Änderung ihres Lebensstils hin zu einer gesunden Ernährung, Nichtrauchen und körperlicher Aktivität.1 Eine zusätzliche medikamentöse Therapie kann die Anzahl von ASCVD-Ereignissen im späteren Leben verringern.1

Prinzip 2: Niedriger ist besser

Je niedriger der LDL-C-Spiegel ist, desto geringer ist das Risiko für ASCVD-Ereignisse.1 So zeigen verschiedene Metaanalysen, dass unter einer Statintherapie pro LDL-Senkung um 1 mmol/l (39 mg/dl) die Zahl der ASCVD-Ereignisse ungefähr um 22 % abnimmt.1 Der angestrebte LDL-C-Zielwert, den die European Society of Cardiology (ESC) empfiehlt, ist abhängig vom kardiovaskulären (CV) Risiko der Patientinnen und Patienten:

  • Niedriges CV-Risiko: Ein LDL-C-Zielwert < 3,0 mmol/l (< 116 mg/dl) ist erwägenswert.5
  • Moderates CV-Risiko: Ein LDL-C-Zielwert < 2,6 mmol/l (< 100 mg/dl) ist erwägenswert.5
  • Hohes CV-Risiko: Eine Reduktion des LDL-C um > 50 % gegenüber dem Anfangswert und ein LDL-C-Zielwert < 1,8 mmol/l (< 70 mg/dl) ist empfohlen.5
  • Sehr hohes CV-Risiko oder zur Sekundärprävention: Eine Reduktion des LDL-C um > 50 % gegenüber dem Anfangswert und ein LDL-C-Zielwert < 1,4 mmol/l (< 55 mg/dl) ist empfohlen.6
  • Sehr hohes CV-Risiko mit ASCVD und einem 2. vaskulären Ereignis innerhalb von 2 Jahren trotz maximal tolerabler Statintherapie: Ein LDL-C-Zielwert < 40 mg/dl (1,0 mmol/l) kann in Betracht gezogen werden.5

Kann der angestrebte Zielwert nicht mithilfe von Statinen und Ezetimib erreicht werden, stehen weitere Therapieoptionen zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise Bempedoinsäure, siRNA (small interfering RNA) oder PCSK9-Inhibitoren (PCSK = Proproteinkonvertase-Subtilisin/Kexin Typ 9).2

Als Grundlage für die Therapieentscheidung gilt dabei generell:

Vor dem Beginn von zusätzlichen medikamentösen Therapien oder Hochdosistherapien sollte stets der Nutzen gegenüber möglichen Risiken und anfallenden Kosten abgewogen werden.1 Das Ausmaß der Risikoreduktion ist dabei vom Anfangs-LDL-C-Wert abhängig: Bei einem hohen Anfangs-LDL-C-Wert hat eine Reduktion um 50 % größere Auswirkungen auf das ASCVD-Risiko als bei einem niedrigeren Anfangs-LDL-C-Wert.1

Prinzip 3: Hohes LDL-C, hoher Nutzen

Ist der LDL-C-Wert hoch, hat eine Absenkung des LDL-C-Spiegels einen hohen Nutzen für die Patientinnen und Patienten: Eine LDL-C-Reduktion kann das Risiko für ASCVD bei diesen Personen erheblich reduzieren.1 Bei einem Anfangs-LDL-C-Wert von 200 mg/dl bedeutet eine Reduktion des LDL-C-Spiegels um 50 % eine Reduktion des 10-Jahres-Risikos für ASCVD-Ereignisse um 59 %.1

Prinzip 4: Großes ASCVD-Risiko? Hit hard!

Je höher das ASCVD-Risiko der Patientinnen und Patienten ist, desto stärker kann die Gesamtanzahl von ASCVD-Ereignissen mithilfe einer medikamentösen Therapie reduziert werden.1 Daher ist es wichtig, Patientinnen und Patienten mit einem hohen ASCVD-Risiko am intensivsten zu therapieren.1


Quellen:

  1. Grundy SM, Feingold KR. Guidelines for the Management of High Blood Cholesterol. (Updated 28. Mai 2022). In: Feingold KR, Anawalt B, Boyce A et al. (Hrsg). Endotext (Internet). South Dartmouth (MA); 2000–; unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK305897/?report=classic (abgerufen am 30.09.2022).
  2. Burger AL et al. New Treatment Targets and Innovative Lipid-Lowering Therapies in Very-High-Risk Patients with Cardiovascular Disease. Biomedicines 2022;10; unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/35625707 (abgerufen am 30.09.2022).
  3. Ference BA et al. Effect of long-term exposure to lower low-density lipoprotein cholesterol beginning early in life on the risk of coronary heart disease: a Mendelian randomization analysis. J Am Coll Cardiol 2012;60:2631–263; unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23083789 (abgerufen am 30.09.2022).
  4. Baigent C et al. Efficacy and safety of cholesterol-lowering treatment: prospective meta-analysis of data from 90,056 participants in 14 randomised trials of statins. Lancet 2005;366:1267–1278. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16214597 (abgerufen am 30.09.2022).
  5. Mach F et al. 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. Eur Heart J 2020;41:111–188; unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31504418 (abgerufen am 30.09.2022).

Bildquelle: iStock-ID: 1146488692; Urheber: Deagreez (Symbolbild mit Modellperson)

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