Vegan vs. omnivor: Zwillingsstudie zeigt, wie Ernährung den Körper beeinflusst

Veröffentlicht am: 19.04.2024

„Zwillingsstudien sind spannend, weil sie uns zeigen, dass es um das Grünzeug geht und nicht um die Gene“, heißt es in einer aktuellen Netflix-Dokumentation.1 Diese Doku basiert auf einer Studie, für die eineiige Zwillinge 8 Wochen lang ihre Ernährungsweise änderten – einer der Zwillinge ernährte sich vegan, der andere omnivor.2 Erfahren Sie mehr.

Ist eine vegane Ernährung gesünder als eine omnivore?

Eine vegane Ernährungsweise hat in der Regel eine geringere Energiedichte, aber einen höheren Gehalt an Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralien und Phytonährstoffen als andere Ernährungsweisen.3 Studien zeigen, dass sie mit einem geringeren Risiko für Adipositas, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Mortalität assoziiert ist.4, 5 Eine vegane Ernährung ist außerdem im Vergleich zu einer Ernährungsweise, bei der sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrungsmittel konsumiert werden (omnivor), mit einer geringeren Umweltbelastung verbunden.6, 7 Auch deshalb hat die vegane Ernährung in letzter Zeit an Popularität gewonnen.

Wie sich eine vegane Ernährung im Vergleich zur omnivoren Ernährungsweise insbesondere auf den Cholesterinspiegel auswirkt, untersuchten Landry MJ et al. nun in einer Studie an 22 eineiigen Zwillingspaaren.2 Vier dieser Zwillingspaare wurden sogar während des gesamten Untersuchungszeitraums von Kameras für die viel diskutierte Netflix-Dokumentation „Du bist, was du isst: Ein Zwillingsexperiment“ begleitet, die im Jahr 2024 veröffentlicht wurde.1, 2

Aufbau der Zwillingsstudie

Die teilnehmenden Zwillingspaare wurden für die 8-wöchige Studie der Stanford-Universität in die beiden Studienarme (vegan und omnivor) randomisiert.2 77,3 % der Teilnehmenden waren weiblich. Das mittlere Alter betrug 39,6 Jahre (Standardabweichung [SD]): 12,7), der mittlere Body-Mass-Index belief sich auf 25,9 kg/m² (SD: 4,7). Von den Zwillingspaaren hielt sich jeweils eine Person an eine gesunde vegane Ernährung, die andere an eine gesunde omnivore Kost.2

Von der 1. bis zur 4. Woche wurden die diätspezifischen Mahlzeiten von einem Lieferservice geliefert und die Proband:innen erhielten Beratung durch einen Gesundheitspädagogen. In den Wochen 5–8 bereiteten die Teilnehmenden ihre eigenen Mahlzeiten und Snacks zu.2

Studienendpunkte: Wie beeinflusste die Ernährung kardiometabolische Faktoren?

Der primärer Endpunkt war die Veränderung der LDL-Cholesterin-Werte (LDL-C: Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin) in Woche 8 im Vergleich zum Ausgangswert. Als sekundäre Endpunkte untersuchten die Forscher:innen den Einfluss der Ernährung auf kardiometabolische Faktoren (Plasmalipide, Glukose- und Insulinspiegel sowie Serumtrimethylamin-N-Oxid-Spiegel), auf den Vitamin-B12-Plasmaspiegel und auf das Körpergewicht.2

Warum eineiige Zwillinge?

Bei Studien mit eineiigen Zwillingen können verschiedene Einflussfaktoren auf die klinischen Ergebnisse – wie Alter, Geschlecht und genetische Faktoren – weitestgehend ausgeschlossen werden. Darüber hinaus haben eineiige Zwillinge oft ein ähnliches soziales und geografisches Umfeld und einen ähnlichen Lebensstil, was den Einfluss von Umweltfaktoren auf die Studienergebnisse zusätzlich verringert.2

Eine vegane Ernährung reduzierte LDL-C-Spiegel, Nüchterninsulinspiegel und Körpergewicht

Nach 8 Wochen hatten die Zwillinge, die sich vegan ernährten, im Vergleich zu den Zwillingen, die eine omnivore Kost zu sich nahmen, im Mittel (SD) einen signifikant reduzierten LDL-C-Spiegel von -13,9 mg/dl ([5,8]; 95%-Konfidenzintervall [KI]: -25,3 bis -2,4 mg/dl) (Abb. 1).2

Darüber hinaus verringerte sich der Nüchterninsulinspiegel in der veganen Studiengruppe um -2,9 μIU/ml ([1,3]; 95%-KI: -5,3 bis -0,4 μIU/ml).2 Außerdem sank das Körpergewicht im Vergleich zur omnivoren Studiengruppe um -1,9 kg ([0,7]; 95%-KI: -3,3 bis -0,6 kg) (Abb. 1).2

Abbildung 1: Mediane Veränderungen in Bezug auf die primären und sekundären Studienendpunkte in Prozent bei veganer und omnivorer Ernährung

Abbildung 1: Mediane Veränderungen in Bezug auf die primären und sekundären Studienendpunkte in Prozent bei veganer und omnivorer Ernährung (von Baseline bis Woche 8). Ein Wald-Test wurde verwendet, um einen signifikanten Unterschied in der Ernährung nach 8 Wochen gegenüber dem Ausgangswert zu ermitteln (Interaktionsterm). HDL-C: High-Density-Lipoprotein-Cholesterin; LDL-C: Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin; TMAO: Trimethylamin-N-Oxid. Modifiziert nach Landry et al.2

 

Im Vergleich zu Zwillingen mit omnivorer Ernährung verzeichneten Zwillinge mit veganer Ernährung nach 8 Wochen auch einen größeren, aber nicht signifikanten absoluten medianen Rückgang der folgenden Parameter (Abb. 1):2

  • Triglyceridspiegel
  • Glukosespiegel
  • TMAO-Werte (TMAO: Trimethylamin-N-Oxid)

Allerdings gingen auch die Nüchtern-HDL-C-Spiegel (HDL: High-Density-Lipoprotein-Cholesterin) und die Vitamin-B12-Spiegel bei den Teilnehmenden in der veganen Gruppe zurück. Zwillinge, die sich omnivor ernährten, waren zudem in den Wochen 4 und 8 nominell zufriedener mit ihrer Ernährung als Zwillinge aus der veganen Studiengruppe.2

Fazit:

Die Studie belegt einige kardiometabolische Vorteile einer veganen Ernährung gegenüber einer omnivoren Ernährung. Hierzu gehörten ein signifikant reduzierter LDL-C-Spiegel, ein geringerer Nüchterninsulinspiegel sowie eine Reduktion des Körpergewichts. Eine gesunde vegane Ernährung gilt deshalb als empfehlenswert zur Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren.2


Quellen:

  1. Du bist, was du isst. Ein Zwillingsexperiment (2024); unter: https://www.netflix.com/de/title/81133260 (abgerufen am 28.03.2024).
  2. Landry MJ et al. Cardiometabolic Effects of Omnivorous vs Vegan Diets in Identical Twins. JAMA Netw Open 2023;6(11):e2344457.
  3. Melina V et al. Position of the Academy of Nutrition and Dietetics: Vegetarian Diets. J Acad Nutr Diet 2016;116(12):1970–1980.
  4. Le LT, Sabaté J. Beyond Meatless, the Health Effects of Vegan Diets: Findings from the Adventist Cohorts. Nutrients 2014;6(6):2131–2147.
  5. Salehin S et al. Plant Based Diet and Its Effect on Cardiovascular Disease. Int J Environ Res Public Health 2023;20(4):3337.
  6. Fresán U, Sabaté J. Vegetarian Diets: Planetary Health and Its Alignment with Human Health. Adv Nutr 2019;10(Suppl_4):S380–S388.
  7. Chai BC et al. Which Diet Has the Least Environmental Impact on Our Planet? A Systematic Review of Vegan, Vegetarian and Omnivorous Diets. Sustainability 2019;11:4110.

Bildquelle: gpointstudio/iStock.com #istockphoto-513107662

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